„Rach, der Restauranttester”: Animalische Zustände im Saarland

Neunkirchen an der Saar hat knapp 47.000 Einwohner und einen Zoo. Mit echten Elefanten und Giraffen. Direkt nebenan liegt ein Restaurant mit dem sinnigen Namen „Am Zoo“. Es ist ungemütlich, vollgestellt mit tierischem Nippes – vom hungrigen Homo sapiens keine Spur. Georg Rupp und seine Frau Nicole haben den Laden als Quereinsteiger vor nur sechs Monaten übernommen und stehen schon vor dem Ruin. Was liegt da näher, als Christian Rach zur Hilfe zu rufen? Immerhin ist der auch Saarländer und hat schon gastronomischen Abstiegskandidaten in deutlich weniger idyllischer Lage den Weg aus der Krise gewiesen.

Christian Rach bringt neuen Pfiff an altbackene Gerichte (Bild: RTL)Christian Rach bringt neuen Pfiff an altbackene Gerichte (Bild: RTL)

„Es fehlt etwas“

Eine altbackene Speisekarte, eine Geschäftsführerin, die sich im Service blamiert, versalzene Fleischberge, uninspiriertes Einrichtungschaos mit palmenähnlichen Gewächsen und Holzgiraffen – eine desolate Situation, die sich Christian Rach im Restaurant „Am Zoo“ bietet. „Es ist eigentlich echt schlecht“, muss Rach feststellen. Kein Wunder, dass die Gäste ausbleiben und die Betreiber leiden. Die Kosten sind höher sind als die Einnahmen, das letzte Ersparte bald aufgebraucht, kurz: es gibt nichts zu beschönigen.

„Es fehlt etwas“, befindet Rach – und das ist nicht der schöne Ausblick, sondern die Motivation der Inhaber, aus dem abgehalfterten Restaurant ohne Konzept etwas Besonderes zu machen. Also her mit neuen Ideen für Speisen und Einrichtung. Die Wirtin rückt das Inventar hin und her, und eine Tigertapete wird angebracht. Publikumsbindung will Rach durch mehr Öffnung zum Zoo hin schaffen. Dafür spricht er mit dem Zoodirektor und dem Bürgermeister des Städtchens. Eine Terrasse soll gebaut werden, die den Gästen des Restaurants den Blick auf die eingesperrten Tiere ermöglicht. Na dann. Einen neuen Ofen für frisch gebackene Flammkuchen – sponsored by RTL – gibt’s noch obendrauf. Auf den Tellern landet in Zukunft Gemüse aus der Region in Gerichten, die saarländische Klassiker mit einem Hauch von Asien kombinieren. Rach, der Fuchs, weiß eben, wie's geht.

Erst Tiere gucken, dann für mehr Kooperation werben. Rach mit dem Neunkirchener Zoodirektor (Bild: RTL)Erst Tiere gucken, dann für mehr Kooperation werben. Rach mit dem Neunkirchener Zoodirektor (Bild: RTL)

Der Gastronomie-Guru behält die Nerven

Wäre da nicht Geschäftsführerin Nicole, die sich trotz Kellner-Training schwertut, ein Tablett mit Wassergläsern zu halten, ohne dass es Scherben gibt. Mit heruntergezogenen Mundwinkeln zeigt sie wenig Engagement. Trotzdem lädt sie zur Neueröffnung die halbe Stadt ein. Viel zu viele Gäste! Dabei steht noch nicht mal fest, was serviert werden soll. In diesem heillosen Chaos behält Rach die Nerven und findet klare Worte. Wenn die Besitzer des Gasthauses nicht lernen, Haltung anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und die Organisation zu strukturieren, kann auch der Gastronomie-Guru nicht mehr helfen. Wie im Drehbuch geht die Premiere dann trotz Allem anstandslos über die Bühne – die Blöße einer Niederlage würde sich der Restauranttester in seiner Heimat auch nicht geben.

Die Macht der laufenden Kamera

Beim Wiederbesuch nach 4 Monaten muss Rach sich ganz doll selber loben, findet er schließlich eine gut besuchte Restaurant-Terrasse, strahlende Wirte und deutlich schmackhafteres Essen als beim Erstbesuch vor. „Ich liebe es, wenn ein Plan gelingt“, klopft er sich denn auch auf die Brust. Ob man Christian Rach wirklich braucht, um mit ein bisschen Tischerücken und ein paar neuen Gerichten ein marodes Restaurant zu retten, sei dahingestellt. Dass städtische Baugenehmigungen für Terrassen ohne laufende Kameras wesentlich langsamer zustande kommen, nicht.

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