„Wetten, dass ..?”: Cindy aus Marzahn lässt Markus Lanz in seiner zweiten Show hängen

Am Ende konnte man sogar fast so etwas wie Mitleid mit Markus Lanz haben. Schon nach seiner zweiten Show hat er sich als neuer „Wetten, dass ..?"-Moderator selbst entzaubert — in einer Sendung der peinlichen Fremdschäm-Momente, verhaspelten Übergänge und zähen Zeitüberziehungen. Das Schlimmste daran: Dem Thomas-Gottschalk-Nachfolger, dem Anfang Oktober wenigstens quotentechnisch mit weit über 13 Millionen Zuschauern eine gute Start-Sendung gelungen war, war deutlich anzumerken, dass der Frust während des Live-Moderierens tief saß.

Markus Lanz war so sehr um eine gelungene zweite Show bemüht, dass er Peinlichkeiten gar nicht mitbekam. (Foto: …

Die von ihm lange angekündigte Überraschung, wer nun eigentlich seine künftige Wett-Assistentin wird, lief nämlich komplett ins Leere. Cindy aus Marzahn, die beim Lanz-Debüt eine überraschend kesse Schau abgezogen hatte und nicht nur dem Publikum, sondern dem Vernehmen nach auch den ZDF-Verantwortlichen äußerst gut gefallen hatte, hatte dem Moderator offenbar sehr kurzfristig einen Korb gegeben und den fest eingeplanten Auftritt in Bremen abgesagt — angeblich wegen Gesundheitsproblemen.

Statt Cindy aus Marzahn kam Atze Schröder (rechts) in die Sendung. Die Komikerin hatte es angeblich mit dem Rücken. …

„Sie hat es mit dem Rücken", sagte ein im rosa Strampler eigenwillig kostümierter Ersatzmann, der für Cindy aus der Kulisse trat und dem verdutzen Publikum erklärte, warum sie nun doch nicht Lanz helfen wollte, den Weg sicher durch dessen Drei-Stunden-Sendung zu finden. Statt Cindy kam Atze Schröder — angeblich ein enger Freund der Berliner Komikerin und wenigstens was die Löckchenfrisur angeht, mit ihr auf einer Wellen-Länge.

Tolles Paar: Robbie Williams fühlte Barbara Schöneberger den Mutterbauch. (Foto: ZDF/Sascha Baumann)

Das Kuriose daran: Wie selbstverständlich auch Barbara Schöneberger, die anders als Lanz natürlich schlagfertig ist und selten um einen wirklich witzigen Spruch und vor allem charmante Selbstironie verlegen ist, war schnell ersichtlich, dass auch RTL-Leichtgewicht Schröder — bei allem, was man sonst gegen seine platten Comedy-Nummern einwenden mag — durch und durch Profis ist und sich schnell in die undankbare Pausenclown-Rolle einfand. Im direkten Vergleich mit Lanz, der lieblos mit seinen Gästen umsprang, haarsträubende Fragen stellte, selten wirklich zuhörte und es schaffte, so gut wie keine einzige Wett-Prüfung schlüssig zu erklären, hätte man sich auch perfekt vorstellen können, dass Atze Schröder einen guten „Wetten, dass ..?"-Showmaster abgegeben hätte.

Oder eben Barbara Schöneberger, die alle aufdringlichen Lanz-Anspielungen auf ihren Schwangerschaftsbauch mit Grandezza ertrug und immer das letzte Wort hatte, ohne sich im Ton zu vergreifen. Auch sie hätte eine gute Lanz-Alternative abgegeben. Allerdings sagte die werdende Mutter eines zweiten Kindes: „Ich möchte noch bis Weihnachten arbeiten." Dann kommt erst einmal eine Babypause. Wann das Kind tatsächlich Termin hat und ob es ein Mädchen oder Junge wird, wollte sie allerdings natürlich doch nicht verraten. Da konnte Lanz insistieren wie er wollte.

Nun ja, selbst dem Lanz-Kollegen Oliver Welke, dem mehrfach preisgekrönte „heute-show"-Moderator, ist mittlerweile deutlich mehr Show-Talent zuzutrauen. Er protestierte zwar gegen Lanz-Anzüglichkeiten und verbat sich unpassende und vor allem arg um die Ecke gedachte Witze über seine angebliche Körperfülle - „Die Anspielung auf Sigmar Gabriel hab ich noch immer nicht verstanden", ließ er Lanz auflaufen -, rettete allerdings seinen ZDF-Kollegen immer wieder aus heillosen Verstrickungen.

Halle Berry stelle Markus Lanz merkwürdige Fragen - etwa über Nacktszenen und ihre Vorliebe für Frischfleisch. …

Besonders still wurde es nämlich auf dem sehr ungemütlich wirkenden fahrbaren Promi-Sofa, als Markus Lanz von der Hollywood-Schauspielerin Halle Berry genau wissen wollte, wie es sich für sie anfühlt, wenn sie sich für Nacktszenen vor der Kamera ausziehen muss. Die Schauspielerin, die zusammen mit Tom Hanks gekommen war, um ihren neuen gemeinsamen Film „Cloud Atlas" zu bewerben, wirkte wie ihr US-Kollege sichtlich irritiert. Welke schaffte es, dem anstrengenden Totenstille-Moment etwas von seiner Schwere zu nehmen, als er betonte, er würde selbst bei Dreharbeiten nur dann die Hüllen fallen lassen, wenn die Filmarbeiten „ästhetisch gemacht" seien.

Nicht zu retten, war dagegen die Peinlichkeit, als Lanz aus völlig unerfindlichen Gründen, von Halle Berry bestätigt wissen wollte, dass diese angeblich den Geruch von frischem Fleisch liebe. Die Schauspielerin schaute konsterniert bis verdutzt — und sagte vorsichtshalber gar nichts. Vermutlich weil sie selbst fürchtete, auf die absurde, zudem völlig unvermittelte Frage des Gastgebers laut losprusten zu müssen. Lanz dagegen, der stets betont hatte, sich akribisch auf seine Interviewgäste vorzubereiten, begriff gar nicht, wie merkwürdig die Frage klang. Stattdessen ließ er den beleidigten Streber erkennen und versuchte sich mit der hilflosen Beteuerung „... das habe ich irgendwo gelesen" zu verteidigen.

Umso wichtiger war es, dass Oliver Welke seinen Kollegen wenig später — immerhin vor versammelten ZDF-Publikum in der Halle und in den Wohnzimmern zuhause — väterlich in die Schranken wies. „Du musst wirklich aufhören, dieses Internet zu lesen, Markus", sagte Welke — und hatte natürlich die Lacher auf seiner Seite. Lanz dagegen spürte gar nicht mehr, dass ihm die Sendung, die wegen einiger pfiffiger Wetten (Hürdenlauf mit dem Fahrrad!) viele gute Anlagen, aber einen übermotivierten und damit unprofessionellen Moderator hatte, längst entglitten war.

Schöneberger griff zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon beherzt zu den Schnittchen und saß nur noch die Restzeit auf dem Sofa ab. Robbie Williams, dem sie zuvor als charmante Revanche für den Babybauch-Kuss bei ihrer „Echo"-Preis-Moderation zärtlich auf den Po geschlagen hatte, saß schon im Flieger. Den verbliebenen Promis, darunter Beth Ditto von Gossip, die von Lanz nahezu ignoriert wurde, war es erkennbar egal, wer am Schluss Wettkönig wurde. Es siegte ein geschickter Jojo-Artist aus Berlin. Und damit fand die Sendung endlich doch noch ein Ende.

Nur Lanz hatte den Schuss nicht mehr gehört. Für die nächste Ausgabe am 8. Dezember in Freiburg kündigte er doch tatsächlich wieder Cindy aus Marzahn als seine Wett-Assistentin an. Und dann will er auch wirklich verraten, ob sie den zweifelhaften Ehrenjob auch dauerhaft behält. Gut möglich allerdings, dass die RTL-Komikerin auch beim nächsten Mal kneifen wird — vor allem nach all dem, was sie aus der Ferne von dieser Show sehen musste. Sehr wahrscheinlich, dass viele langjährige „Wetten, dass ..?"-Fans dann all das auch schon gar nicht mehr wirklich interessiert. Das war eine schwache Show, Herr Lanz.

Jetzt auf Yahoo!Screen: Kalkofes Mattscheibe Rekalked

Meistgelesene TV-Artikel

TV-Programm

Testen Sie Ihr TV-Wissen!