Eindrucksvolle Mammutproduktion

Roland Emmerich sorgte 2007 mit einer effektgeladenen Mammut-Geschichte für bewährt solide Unterhaltung.

"Die besten Spezialeffekte nutzen nichts, wenn sie in keine gute Geschichte eingebunden sind." Roland Emmerich weiß, wovon er spricht: Schließlich machte sich der gebürtige Schwabe mit Effektfilmen wie "Independence Day" und "Stargate" in Hollywood einen Namen und gehört seither zu den erfolgreichsten Filmemachern der Traumfabrik. Drei Jahre nach seinem Klimaschocker "The Day After Tomorrow" wagte er sich an ein neues Blockbuster-Projekt, das Maßstäbe in fotorealistischer Animation setzen sollte. "10.000 B.C." (2007) war jedoch weder in Deutschland noch in den USA sonderlich erfolgreich. Nun zeigt ProSieben das Mammutspektakel als Wiederholung. Emmerich bereitet derweil sein nächstes Kinospektakel vor: die Fortsetzung von "Independence Day".

Eine Geschichtsstunde sollte "10.000 B.C." nie werden, beteuerte Emmerich damals. So jagen die Urzeitmenschen fleißig Mammuts, obwohl sie nie gemeinsam die Erde bewohnt haben. Worauf es ankommt, sind vielmehr große Gefühle: 10.000 Jahre vor Christi Geburt entwickelt sich eine zarte Romanze zwischen dem gewöhnlichen Stammesjungen D'leh (Steven Strait) und der schönen Evolet (Camilla Belle). Doch als berittene Sklavenjäger sie über die Berge "ans Ende der Welt" verschleppen, muss D'leh lernen, was Mut und Aufopferung bedeuten, um seine große Liebe zu retten.

Das Historienabenteuer setzt also auf authentische Gefühle, nicht auf akkurate Historie: Emmerich fasste gemeinsam mit seinem Co-Autor Harald Kloser mehrere tausend Jahre menschlicher Entwicklung in einer spannenden Story zusammen, unterlag dabei aber keinem Urzeitmenschenklischee: "Bei der Filmthematik erwartet der Zuschauer vielleicht, dass der Held sein Mädchen am Ende über die Schulter wirft und in die Höhle verschwindet", mutmaßte Emmerich.

Im Gegenteil dazu begleitet der Zuschauer den im Grunde seines Herzens modernen Helden auf eine Reise von primitiven Jägern mit rauen Sitten und zugigen Zelten zu den frühen Ackerbauern Afrikas mit ihren Lehmhütten bis hin zu der Hochkultur des Pyramidenbaus. Denn dorthin wurde die Herzensdame des Protagonisten entführt und von ruchlosen Ausbeutern versklavt. Der Spannungsbogen erinnert an Mel Gibsons "Apocalypto". Doch wo Gibson auf schockierende Brutalität setzt, zeigt "10.000 B.C." den Befreiungskampf gegen die dunklen Seiten der Moderne lieber mit massenkompatibler Bildgewalt.

Es wird wenig gesprochen: Nur dann und wann werden emotionale Appelle wie "Nur gemeinsam können wir etwas erreichen" oder Liebesversprechen nach der Art "Ich werde dich niemals wieder loslassen" eingestreut. Umso lauter dagegen brüllen die Mammuts und ein Furcht einflößender Säbelzahntiger - die eigentlichen Stars des Urzeitthrillers. Mehr Wert wurde auf die Computeranimationen gelegt wie bei der ersten Schlüsselszene des Films, einer sechsminütigen Mammutjagd.

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