Schamloses Vorführ-Fernsehen

RTL II sendet "Familie Liebisch" erneut in die USA. Dort soll Oberhaupt Andreas einen Job finden. Allerdings kann der Hartz-IV-Empfänger kaum ein Wort Englisch.

Aus dem "Frauentausch" hinüber in die USA: Der Erfurter Andreas Liebisch scheint doch noch Karriere zu machen. Tatsächlich aber ist die neue Doku-Soap "Go West" ein nächstes fragwürdiges TV-Kapitel aus dem Hause RTL II, das auf möglichst viele Peinlichkeiten eines Mannes setzt, der sein Handeln scheinbar nicht voll und ganz überblicken kann.

Familienvater Andreas Liebisch und seine inzwischen angeheiratete Manuela ließen sich einst auf den RTL-II-"Frauentausch" ein. Ob's an einer möglichen Gage lag? Immerhin ist der kleinwüchsige Mann aus Erfurt seit mehr als 20 Jahren ohne Job. Auch Manuela hatte viele Jahre nicht gearbeitet. In der "Frauentausch"-Folge selbst fiel der Familienvater mit seiner Sammelleidenschaft für Spielzeug-Lastwagen, seiner beinahe heldenhaften Verehrung für Elvis Presley und vor allem einer penetrant aufbrausenden Art unangenehm auf.

Für das Vorführ-Fernsehen sind seltsame Zeitgenossen wie Andreas Liebisch wie gemalt. Wohl ohne große Überredungskunst lässt er sich samt Familie in die USA karren, als glühender Elvis-Fan sind die Staaten ohnehin das Reich seiner Träume, in das er sonst nie gekommen wäre. Dass er kaum ein Wort Englisch spricht und mit diesem Defizit in den USA niemals einen Job finden wird, geschenkt.

RTL II begleitet Liebisch in sieben neuen Folgen, die ihn quer durch die USA führen. Fremdschäm-Fernsehen mit gesteigertem Schauwert, sozusagen. Doch selbst der geneigte RTL-II-Zuschauer schlägt hier wohl bald fassungslos die Hände vors Gesicht - etwa weil sich Liebisch wegen seiner beinahe traurigen Naivität jede noch so entwürdigende Arbeit aufbrummen lässt, nur um sie wenig später aufgrund seiner fast unverschämt aufbrausenden Art wieder niederzulegen. Er versucht sich etwa als Pizzabäcker und als Taxifahrer ... Aber ohne Ortskenntnisse! Wie soll sich Andreas Liebisch so durch den dichten Straßendschungel New Yorks kämpfen?

Man mag Andreas Liebisch, der sich von RTL II für erste Probeaufenthalte 2012 bereits nach Las Vegas fliegen ließ, und seiner Familie wünschen, sie werden in Amerika doch noch ihr Glück finden. Leider aber fehlt den Möchtegern-Auswanderern Witz, Schläue, Kampfesgeist und vor allem Ausstrahlung eines Konny Reimann. Ob Liebisch wirklich versteht, was er fürs Fernsehen macht?