Weltuntergang in der Vorstadtidylle

Dafür, dass sie Zerstörungen von fast biblischem Ausmaß - unter anderem mit Blitzschlag, Erdbeben und Überflutungen - verantwortet, bleibt Birgit Böhler erstaunlich gelassen. "In gewisser Weise greifen wir dem Abbruchteam, das später anrückt, jetzt schon unter die Arme", sagt sie lakonisch. "Am Schluss wird von dem Haus nicht mehr viel zu sehen sein." Als Chefin vom Dienst zieht sie derzeit bei einem spektakulären Katastrophen-Dreh die Strippen. Für fünf neue "Galileo"-Beiträge, die in der Woche vom Montag, 21. bis Freitag, 25. Mai, jeweils um 19.05 Uhr, bei ProSieben ausgestrahlt werden sollen, lässt sie derzeit nach allen Regeln der Kunst ein Vorstadt-Häuschen aus der Eigenheim-Idylle in Haar bei München demolieren. Alles natürlich für einen lehrreichen Zweck. Und garantiert nicht zum Nachahmen empfohlen.

Auf Fragen wie diese muss man erst einmal kommen: Was passiert, wenn man Spanferkel in der Badewanne grillt? Oder kann man tatsächlich ein Schwimmbad im Obergeschoss einbauen? In den eigenen vier Wänden, wohlgemerkt. "Viele der Ideen sind der ganz speziellen Tradition von 'Galileo' geschuldet", erklärt Birgit Böhler.

Jeweils gegen Ende des beliebten ProSieben-Wissensmagazins widmet sich das Team gerne auch mal den abenteuerlichen, etwas abseitigen Experimenten. Und die sehen nicht nur toll aus, man kann auch etwas dabei lernen. "Es geht uns um spektakuläre Bilder", so Böhler. "Stellvertretend für die Zuschauer veranstalten wir verrückte Dinge, die sie aus naheliegenden Gründen besser niemals machen. Und natürlich ist uns der Erkenntnisgewinn wichtig."

Im "Galileo"-Haus in Haar nehmen die ProSieben-Redakteure das Thema von "Kevin allein zu Haus" einmal wörtlich. "Wir fragten uns, was alles passieren kann, wenn die Eltern aus dem Haus sind und die Kinder auf verrückte Ideen kommen", erklärt Böhler. Zwei Protagonisten - Tommy Scheel, den "Galileo"-Fans als Mann für die Extremsituationen kennen, und Freddie Swierczynki, der für die Haus-Experimente neu dazustößt - lassen dabei ihrem kindsköpfigen Abenteuergeist freien Lauf. "Einmal schießt ihnen die Idee durch den Kopf, dass es doch toll wäre, wenn man oben im Haus in einem Pool schwimmen gehen könnte", erzählt Böhler. Emsig dichten die beiden alles ab und drehen vorfreudig die Hähne auf. "Natürlich bricht irgendwann dann doch die Etage durch", so Böhler. "Das Wasser sucht sich seinen Weg." Und das Haus hat dann kein Obergeschoss mehr.

Verständlich, dass bei den Dreharbeiten für die 90 Sendeminuten aus der "Break-Down"-Reihe bei "Galileo" nichts dem Zufall überlassen werden darf. "Das Chaos braucht viel Planung", stöhnt Birgit Böhler. Immerhin müssen für die letzten Einstellungen noch ein paar Räume übrig sein. Ausgesucht hat sich die Redaktion ein Abbruchhaus, das auf einem eigenen Grundstück steht. Dennoch sollte es - wenigstens zu Beginn - nicht zu heruntergewirtschaftet aussehen. Daher haben Bühnenausstatter alles noch einmal liebevoll eingerichtet. "Wir wollten alles so real wie möglich wirken lassen", erläutert Böhler. Wenn das "Galileo"-Team fertig ist, rücken die Bagger an. Auf dem Grundstück entstehen neue Mehrfamilienhäuser.

Vorher möchte die TV-Redakteurin noch möglichst viele Kastastrophen simulieren - darunter Brände, Blitzeinschläge und Wasserschäden. Jedes Mal sind dann Experten vor Ort und analysieren vor der Kamera das Ausmaß der Zerstörungen. Einmal erzeugen wuchtige Maschinen künstliche Erschütterungen - wie bei einem Erdbeben. "Ein Seismologe erklärt uns dann, wo sich im Falle des Falles der sicherste Ort in dem Haus befindet", so Böhler. Ähnlich lehrreich die Gewitter-Sequenz: Wenn die "Galileo"-Macher schon den Starkstrom fließen lassen, sollte man am Schluss auch mehr über den Schutz vor Blitzschlag erfahren.

Allerdings durfte das Team auch skurrile Ideen durchsetzen. "Wer träumt nicht davon, morgens an den Wasserhahn zu gehen - und es kommt gleich heißer Kaffee heraus?", schmunzelt Birgit Böhler. Um die aufwendigen Umbauarbeiten dafür vor den Kameras zu bewerkstelligen, mussten sich Tommy und Freddie ganz schön anstrengen. "Wir brauchten zwei Typen, die handwerklich geschickt sind", so Birgit Böhler. "Die beiden müssen viel basteln, bauen und schrauben."

Der enorme Aufwand, der die üblichen "Galileo"-Drehbudgets auch kräftig übersteigt, wie die Verantwortliche andeutet, soll sich aber lohnen. "Das ist für uns eines der absoluten Highlights im Jahr", freut sie sich - was den Aufwand inklusive unzähliger offizieller Genehmigungen und die spektakulären Bilder angeht. Besonders wüst wird's zum Schluss: Dann stürzt ein riesiger Felsbrocken auf das Haus. Oder das, was dann noch davon übrig ist. Besonders hautnah können die Haarer das Vergnügen erleben. Auch wenn das Set von der Polizei weiträumig abgesperrt ist, versammeln sich viele Neugierige vor Ort. "Wenn die Feuerwehr in der Straße parkt, dann kommen doch immer Schaulustige", sagt Birgit Böhler. Vor allem dann, wenn gleich in der Nachbarschaft die Welt untergeht.

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